Reise zum Umweltzentrum MARAFIKI WA MAZINGIRA

Das Umweltzentrum MARAFIKI WA MAZINGIRA am kongolesischen Regenwald – mein 4. Projektbesuch im Sommer 2014

Ein Bericht von Konni Weber-Hürter

Das Umweltzentrum Marafiki waMazingira (swahili: Freunde der Natur) liegt im Dorf Chahoboka im Grenzgebiet zwischen der D.R. Kongo und Ruanda im Süd – Kivu. Der Kivu gilt als eine der rohstoffreichsten Gegenden und gleichzeitig als eine der ärmsten und meist umkämpften Region der Welt. Die Gier nach Coltan, dem Wertstoff, der sich notwendigerweise in jedem Handy befindet und fast ausschließlich im Kivu zutage gefördert wird, führte zu unfassbaren Strukturen der Ausbeutung, miesesten Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in den Minen und menschenverachtende Überfälle durch plündernd und mordend umherziehende Rebellengruppen, die die Minen und damit die Bevölkerung unter ihre Kontrolle brachten. Dies führte dazu, dass die Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten massiv Vertreibungen und existentieller Not ausgesetzt waren, und Zuflucht z.B. in dem südlicher gelegenen Dorf Chahoboka gesucht und gefunden haben und dringend Aufbauhilfen benötigen, damit sie wieder ihre Existenzgrundlagen und ihre Würde finden können.
2006 wurde ich in meiner damaligen Funktion als Umweltpädagogin in das Umweltzentrum am Rande des kongolesischen Regenwaldes eingeladen, um Pädagogen auszubilden. Im Anschluss an diese Fortbildung entstand ein Waldkindergarten für 25 Kinder, der seitdem von 2 Pädagogen geleitet wird. Im Sinne des Umweltzentrums, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bevölkerung für die Natur und den Regenwald und seinen Erhalt zu sensibilisieren, begann damit auch eine intensive Arbeit mit den Familien dieser Kinder, so z.B. Aufklärung in Ernährungsfragen und Gesundheit, um die Mangelernährung und das Krankheitsrisiko einzudämmen.
Seitdem wird das Projekt von mir intensiv  begleitet. Der Partnerverein MaWaMa e.V. hier in Düren  sammelt Spenden für die Finanzierung des Umweltzentrums; der Kontakt und die inhaltliche Weiterentwicklung istüber ständigen Austausch per Email, Telefon und Projektbesuche vor Ort gewährleistet. Der AKSA (Arbeitskreis soziale Aktion, St.Angela Schule)  unterstützt die kongolesische Einrichtung mit großzügigen Zuwendungen seit meinem Eintritt in das Kollegium  im Jahr 2010. Mithilfe der Spenden des AKSA konnte ein entscheidender Prozess gegen die Armut und die daraus resultierende Mangelernährung und mangelnder Zugang zu Bildung in Gang gebracht werden: Es wurden Mikrokredite an die Mütter vergeben, zunächst in Form von Ziegen, dann auch Geldbeträge (50 Dollar) als Anschubfinanzierung für Kleinhandel. Hinzu kam die Verteilung von Saatgut als Mikrokredit. Damit wurde entscheidend Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, sodass mittelfristig auch die Finanzierung der Einrichtung von den Familien mitgetragen werden kann. Die Väter begannen mithilfe der Gelder mit dem Bau von Toiletten und konnten damit die Verbreitung der Cholera im Dorf eindämmen. Die Einrichtung des Mikrokreditsystems ermöglichte ein Zusammenwachsen und eine beginnende Solidarisierung der Dorfbevölkerung und darüber die Entwicklung von Initiative und Selbstachtung in einem Dorf, dass nur noch Ausbeutung kannte und zusätzlich durch ständige Zuwanderung von Flüchtlingen aus den konfliktgeschüttelten nördlicher gelegenen Gebieten stark belastet ist. Dieser Prozess muss nun weitergehen, damit der Frieden für diese Menschen eine Chance hat und sich Zukunft in Form von regelmäßiger Nahrung und Bildung für ihre Kinder entwickeln kann. In diesem Sommer 2014 reiste ich das 4. Mal nach Chahoboka, um 5 Wochen lang mit den Menschen vor Ort nach einer ausführlichen Bestandsaufnahme der Situation und der geleisteten Arbeit nun weiter die möglichen Aktivitäten, die inhaltliche Gestaltung der Gruppen und die Planung des Gartens und des Feldes zu entwickeln und das in die Tat zu bringen, was mit kleinen Geldbeträgen, aber viel Einsatzwillen und Kreativität möglich ist.
So wurde zunächst von dem mitgebrachten Geld der St.Angela Schule  (1500 Euro) eine kleine Küche gebaut und eine Überdachung, die notwendig ist für eine Baumschule, also um junge Bäume dort heranzuziehen, die dann später in den Garten und an die Häuser der Familien gepflanzt werden sollen. Im Team entwickelten wir Schulungseinheiten. Teilnehmen an dieser grundlegenden Schulung sollen die Vereinsmitglieder der Männer- und Frauenassoziationen, die an der Rotation der Mikrokredite teilnehmen wollen. Sie umfasst inhaltlich alle Themen, die sich mit er Verbesserung der Lebensbedingungen beschäftigen, so z.B. geht es darum, was eine bessere Ernährung der Kinder bedeutet und wie sie gewährleistet werden kann. So wird erklärt, wie ein guter Kompost angelegt und ins Feld eingearbeitet wird. Dann geht es um die Gemüsesorten, die angebaut werden sollen, um eine komplette Ernährung zu ermöglichen.

Diese Schulung wird für jede Gruppe 1 Mal im Monat stattfinden. Das Feld des Umweltzentrums und der Garten werden so angelegt werden, dass sie als Anschauungsmaterial zur Verfügung stehen. Weiterer Schwerpunkt der gemeinsamen Erarbeitungen waren die pädagogischen Inhalte der verschiedenen Gruppen wie Kindergarten, Mädchengruppen und den gemischten Kinder- und Jugendgruppen und deren altersspezifische und situationsangepasster Vermittlung. Auch arbeiteten wir an der Arbeitsstruktur und Aufgabenverteilung, um die wenigen Mittel möglichst effizient einzusetzen.
Spektakulär war die Müllaktion, die schon in der ersten Woche dazu führte, dass das ganze Dorf, Männer, Frauen, Kinder zusammen taten und im ganzen Dorf den Plastikmüll einsammelten. Anlass war zum einen, dass Ziegen immer wieder verendet waren, nachdem sie von dem überall auf und in der Erde sich befindenden Plastik (meistens alte Verpackungstüten) gefressen hatten. Zum anderen halten sich in den Plastikteilen Krankheitserreger und der Kunststoff gibt giftige Stoffe an den Boden ab. In wenigen Stunden waren über 40 große Säcke damit gefüllt, die nun darauf warten, einer sinnvollen Verwertung zugeführt zu werden, z.B. als Erdölsubstitut in einer Zementfabrik. Hier hat das Umweltzentrum nun eine von dieser Initiative begeisterte Mitarbeiterin des Umweltministeriums der Provinz Süd-Kivu an seiner Seite. Auch sie spricht davon, dass Chahoboka hier beispielhaft ist und gleiche Aktionen in anderen Dörfern stattfinden sollten. Müllversorgung wird existentiell wichtig im Kampf gegen Krankheiten und Umweltverseuchung.

Die Besuche beim Erzbischof Moroy in der Provinzhauptstadt Bukavu galten dem Austausch über die Möglichkeit, dass das Umweltzentrum Marafiki wa Mazingira vom deutschen Kindermissionswerk unterstützt wird. Dies bedarf der Zustimmung des Erzbischofs vor Ort. Die Gespräche verliefen sehr positiv, sodass die Aussicht auf dauerhafte Hilfen über kirchliche Hilfswerk  nun gegeben ist.
Dringend benötigt wird ein neues Gebäude für das Umweltzentrum, da es schon seit Sommer 2012 ohne Haus auf dem Gelände und unter freiem Himmel seine Arbeit tut. Folgerichtig müsste dort auch eine Schule angeschlossen werden. Das ist jedenfalls der große Wunsch der Familien. Es gibt also noch viel zutun für die zukünftigen Umweltschützerinnen und Umweltschützer am kongolesischen Regenwald!
Dass der Kontakt nicht abbricht, dafür sorgen auch die Schülerinnen der St. Angela Schule und die Jugendlichen von Chahoboka über einen kleinen Briefwechsel. Helfen wir ihnen, dass der Kontakt und die Einrichtung weiter erhalten bleiben und so die Hoffnung in den jungen Menschen hier in Deutschland und dort im Herzen Afrikas auf eine gemeinsame lebenswerte Zukunft genährt wird.

Herzlich danke ich für jede ideelle und finanzielle Unterstützung unseres Projektes, auch im Namen der Menschen in Chahoboka! Ich freue mich sehr über Ihr Interesse. Gerne informiere ich Sie regelmäßig über die Entwicklung vor Ort!

Konni Weber-Hürter

Konni Weber-Hürter ist Mitbegründerin des Waldkindergartens und der anderen Einrichtungen des kongolesischen Umweltzentrums Marafiki wa Mazingira in Chahoboka und 1.Vorsitzende des Partnervereins MAWaMa e.V. in Düren.